Vier Läden, vier Döner, vier Connaisseure: Mit David Knospe vom Zentrenmanagement Süd, Omar, Mustafa und Tain vom Neumarkt ging es auf kulinarischen Stadtteilspaziergang über die Bochumer Straße.
Gewidmet wurde sich dem Kultessen schlechthin: Döner. Vier Döner-Gastros, von Imbiss über Kiez-Bude bis Restaurant. Angeschaut, probiert und fachkundig bequatscht wurden Brot, Fleisch, Füllung, Soße, Preis und Bauchgefühl. Das Ergebnis: Döner ist nicht gleich Döner. Warum Döner? Weil er wie kaum ein anderes Essen Alltag, Herkunft, Preisgefühl und Stadtteilkultur verbindet.
Für das Zentrenmanagement Süd ist die Bochumer Straße zwischen Marienstraße und Ruhrstraße ein zentraler Ort lokaler Ökonomie. Süd, sagt David Knospe, sei bunt, vor allem aber lebendig.
Der Klassiker
Bei Musti’s Döner King steht der klassische Döner für Imbiss in Reinform: Theke, Spieß, ein paar Tische, Getränkekühlschrank. Kein Schickimicki, kein Konzept, aber alles da, was es braucht. Für 7,90 Euro gibt es den unkomplizierten Döner: direkt, vertraut, ohne Umwege.
Bei Öz Boğaziçi Ocakbasi verschiebt sich der Rahmen. Auch hier gibt es klassischen Döner, für 8 Euro, aber als Teil eines türkischen Restaurants. Auf der Karte stehen Mittagstisch, Suppen und Grillgerichte, hinten gibt es einen zusätzlichen Gastraum, in dem die Bochumer Straße ein bisschen leiser wird. Das Fleisch kommt vom Metzger aus Dortmund, der Spieß wird selbst gesteckt, Gemüse und Soßen werden im Haus vorbereitet. Für einen Spieß braucht das Team rund vier Stunden.
Die Basis ist schnell geklärt: „Trocken darf es auf keinen Fall sein.“ Soße gehört dazu, aber bitte keine Flutkatastrophe im Fladenbrot. Ein guter Döner muss saftig schmecken und stabil bleiben, bis unten alles zusammenläuft. Der letzte Biss, da sind sich die Fachleute einig, ist der beste.
Der Hipster
Bei Ali’s Steak-Döner wird es hipper. Der Laden wirkt wie Berliner Kiez im Miniaturformat: kleiner Raum, fast Fensterverkauf, ein paar Plätze, laute Musik, Hip-Hop, R’n’B und ein klarer Look. Hier ist Döner nicht nur Imbiss, sondern fotogener, urbaner Auftritt für 8,50 Euro. Auch inhaltlich wird aufgefahren: eingelegter Rotkohl, Limette, hauseigene Soßen, auf Wunsch sogar Vollkornbrot. „Das Brot finde ich super“, heißt es am Tisch. Beim Rotkohl scheiden sich die Geister. „Schmeckt nicht falsch, aber weiter weg vom klassischen Dönergefühl.“
Mister Steak Döner ist der Gegenentwurf: von außen fast Barbershop, innen junge Verkäufer, digitale Displays, moderne Sitzmöbel, wenig Selbstinszenierung, eher Underdog. Der Steak-Döner kostet 9,50 Euro. Bei der Preisfrage sind sich alle einig: Zehn Euro ist die Grenze, zwölf gehen gar nicht. Gleichzeitig macht ein zu billiger Döner misstrauisch: „Bei vier oder fünf Euro wäre der erste Gedanke: Da stimmt was nicht.“
Die Erkenntnis
Am Ende hatten alle vier ihren eigenen Lieblingsdöner des Tages. Genau darin liegt die schönste Erkenntnis: Das Angebot rund um den Neumarkt ist nicht eintönig, sondern erstaunlich vielstimmig. Klassischer Imbiss, Restaurantküche, Kiez-Konzept, Underdog-Theke – alles auf wenigen Metern Bochumer Straße.
Döner wird hier zur kleinen Sozialstudie. Er zeigt, wer unterwegs ist, was bezahlbar bleiben muss, wo man sich trifft und wie das Quartier tickt.