Perds Karl? „Der Pferdemetzger!“ Für viele Festspielstädter ist die Sache klar. Sein Name steht bis heute für die Ross-Schlachterei an der Brandstraße. Der Mann dahinter aber bleibt ein Phantom.
Der heute „tatsächliche“ Pferdemetzger heißt Bert Hobbold. Der 57-Jährige führt den Familienbetrieb seit 1989 in vierter Generation. Sein Urgroßvater Bernhard Hobbold gründete 1906 die Ross-Schlachterei und Speisewirtschaft an der Brandstraße in der Recklinghäuser Innenstadt. Als frischgebackener Fleischergeselle sieht es für den Junior Leon (19) aktuell so aus, dass er die Familientradition fortsetzt, die der Papa mit Ehefrau Marina pflegt.
Hochwertiges Fleisch
Zweifelsfrei: Pferdefleisch gilt als eine emotional umstrittene Delikatesse. Zwischen den meist privaten Pferdebesitzern und ihren Vierbeinern besteht häufig eine enge partnerschaftliche Bindung. Gemeinsame Lebenswege vereiteln Gedanken an eine Schlachtung oder gar an den Verzehr. Wobei, das gehört zur Wahrheit: Pferdefleisch gilt als sehr hochwertig. Es enthält deutlich weniger Fett als Rind- oder Schweinefleisch. Aufgrund des hohen Eisengehalts wird es sogar bei Eisenmangel oder Blutarmut empfohlen.
Pferde stammen übrigens nicht aus der Massentierhaltung. Zuchtbetriebe wie für Schweine, Rinder und Geflügel gibt es in Deutschland nämlich nicht. In der Gaststätte mit ihren 60 Plätzen werden bevorzugt Sauerbraten und Klopse bestellt. Für manche Gäste kommen dort Kindheitserinnerungen oder Heimatgefühle auf die Teller. Die gebürtige Recklinghäuserin und Wahl-Allgäuerin Andrea Herper: „Bei jedem Besuch in der alten Heimat ist Hobbold Pflicht.“ Und Bettina Kovarik: „Meine Urgroßmutter war schon Hobbold-Kundin.“ Petra Maus weiß zu berichten, dass vor Jahren jeweils am Geldtag der Besuch des Pferdemetzgers angesagt war. Klaus Scharf erinnert sich: „Als mein Vater in den Fünfzigerjahren in der Knappschaft lag, mussten wir immer zwei Klopse mitbringen. Er war seinerzeit Schlosser auf der Zeche Ewald.“
Verschiedene Versionen
Bleibt noch die Frage, was es mit diesem legendären Perds Karl auf sich hat. In Recklinghausen kursieren verschiedene Versionen. Einige meinen, dass er bei Hobbold gearbeitet hat. Andere verorten ihn in der Pferdegaststätte Stöwe. Die gab es ebenfalls auf der Brandstraße. Bert Hobbold zuckt mit den Schultern und sagt: „Er soll bei uns beschäftigt gewesen sein. Das ist keineswegs sicher. Unsere Chronik gibt das jedenfalls nicht her. Mir ist natürlich auch bekannt, dass besagter Karl beim Nachbarn Stöwe gearbeitet haben soll.“
Überliefert ist lediglich: Perds Karl wurde als großgewachsener Mann beschrieben, der offenbar bei einem der beiden Pferdemetzger beschäftigt war. Er soll ein rauflustiger Kerl gewesen sein. Bert Hobbold: „Ist doch prima. Perds Karl bleibt für uns weiterhin ein Phantom. Da bleibt Raum für Fantasie und Anekdoten.“