In Zeiten stark schwankender und zumeist steigender Energiepreise suchen viele Kunden Verlässlichkeit. Wer Verbräuche steuern kann, kann hingegen von dynamischen Tarifen profitieren.
Ein Großteil der Energiepreise können wir nicht beeinflussen“, beschreibt Sarah Burkert, Vertriebsleiterin bei den Hertener Stadtwerken, eine zentrale Herausforderung der Preisgestaltung. 53 Prozent des Strompreises machten Netzentgelte, Steuern und Umlagen aus. Nur noch knapp die Hälfte entfallen auf die eigentliche Energie, rechnet Burkert am Bildschirm vor. Die Energiepreise schwankten zudem stark. „Da reichen manchmal schon einzelne politische Aussagen, um die Preise an den Börsen purzeln oder durch die Decke gehen zu lassen.“
Dem steuern die Hertener Stadtwerke entgegen, indem sie mittel- und langfristige Lieferverträge abschließen, etwa mit der Abfallentsorgungsgesellschaft Ruhrgebiet (AGR), die klimafreundlichen Strom aus ihrem Abfallheizkraftwerk liefert. Davon profitierten dann auch die Kunden, so Burkert: Aktuell liegt der Strompreis in Herten bei 30,78 ct pro Kilowattstunde in den Tarifen „hertenstrom ‚fix‘“ und „online“ und damit unterhalb des Durchschnittspreises von 31,64 ct für Neukundentarife – garantiert für zwölf Monate (Quelle: Verivox).
Verlässlichkeit vs. Dynamik
Wer seinen Verbrauch über den Tag flexibel steuern kann, für den seien eventuell auch dynamische Stromtarife interessant, ergänzt Marcel Waselewski, stellvertretender Vertriebsleiter. Solche Kunden könnten dann netzdienlich Strom verbrauchen, wenn er reichlich vorhanden und entsprechend günstig ist und so die Abriegelung von Wind- und/oder Sonnenkraftwerken verhindern. Für den Otto-Normal-Verbraucher mit Nine-to-Five-Job und ohne Smart Home lohne sich das oft nicht, so Waselewski. „Man muss sich dann etwas mit den Preisen beschäftigen und die Möglichkeit haben, etwa das E-Auto über die Mittagszeit zu laden.“ Insbesondere für Gewerbekunden mit hohen steuerbaren Verbräuchen könnten solche Tarife aber interessant sein.
Erdgaspreise hochvolatil
Beim Erdgas sieht die Entwicklung ähnlich aus, wobei die Preise nach Beginn des Ukraine-Krieges deutlich stärker gestiegen sind als beim Strom: von durchschnittlich 6,56 ct pro Kilowattstunde im Jahr 2021 auf 16,03 ct 2022 (Quelle: Verivox). Derzeit liegt er bei den Hertener Stadtwerken in Herten bei 10,79 ct/kWh (je bei 20 MWh Jahresverbrauch). Wie dieser sich zukünftig entwickelt, auch durch die im neuen Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) vorgesehene „Bio-Treppe“, lasse sich nicht seriös vorhersagen, so Burkert. Nur so viel: „Biogastarife sind derzeit rund 25 Prozent teurer als Erdgastarife.“ Preissteigernd dürften sich ab 2028 auch der CO2-Zertifikatehandel auswirken. Andererseits könnte eine sinkende Nachfrage den Erdgaspreis wieder senken.
Pauschale Lösungen gebe es ohnehin nicht, so Burkert: „Ob Wärmepumpe, Fernwärme oder effiziente Gasbrennwertheizung – wir beraten jeden Kunden individuell.
Das ist neben verlässlichen Preisen unser eigentliches Alleinstellungsmerkmal.“