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Alle sind Familie
Fotos: Marco Stepniak

Alle sind Familie

Lesedauer: ca. 2 Min. | Text: Karoline Jankowski

Recklinghausen hat nicht nur ein Zertifikat gewonnen, sondern eine Veränderung eingeleitet. Die Stadtverwaltung geht mit gutem Beispiel voran und zeigt, dass Familienfreundlichkeit nicht nur Label, sondern ein gelebter Wert ist.

Die Bertelsmann Stiftung klopfte 2021 an und schlug eine Zertifizierung für Familienfreundlichkeit vor. Die  Stadtverwaltung sagte begeistert zu und schubste damit den Stein des Wandels, der noch heute rollt. Doch wie funktioniert so etwas? Diese Frage stellten sich auch Ulla Simon, Leiterin des Fachbereichs Personal, Organisation, IT und Betriebliches Gesundheitsmanagement, und ihr Stellvertreter Ihnatiy Jablonowski. Zunächst die Theorie: Mit Hilfe eines aufwändigen Fragebogens wurde die Belegschaft einbezogen. Sie sollte und durfte meckern und schimpfen. „Denn nur so bekommen wir die wirklich wichtigen Anregungen“, erklärt Ulla Simon diesen Ansatz. „Es geht nicht bloß um Teilzeit und Homeoffice“, betont auch Ihnatiy Jablonowski die Komplexität des Projekts.

Erfolg auf allen Ebenen

Rund 2.400 Mitarbeitende arbeiten in grundverschiedenen Bereichen. Von der Verwaltung über publikumsintensive Bereiche wie das Bürgerbüro bis hin zu Feuerwehr und Schichtdienst. „Hier funktioniert kein Standardmodell. Es geht um Regularien, aber vor allem um Unternehmenskultur. Unser Denken und unser Engagement. Man kann vieles möglich machen, wenn man die Idee lebt und voll dahinter steht“, sagt Ihnatiy Jablonowski und macht aus seiner persönlichen Begeisterung keinen Hehl. Ein bunter Mix von Maßnahmen, die so konzipiert sind, dass sie jede individuelle Situation berücksichtigen. „Wir beobachten mit Freude, dass immer mehr Väter in Eltern(teil)zeit gehen oder Kindertage in Anspruch nehmen. Eine progressive Entwicklung, die aber gerade in technischen Bereichen eine Herausforderung darstellte“, berichtet Ulla Simon. Das Präteritum attestiert die erfolgreiche Umsetzung. Von Erfolgen kann auch Juliane Stefani berichten. Sie ist allein erziehende Mutter und Mitarbeiterin im Gleichstellungsbüro: „Ich kam als Quereinsteigerin, teilzeitbeschäftigt, weil mein Kind noch sehr jung war. Inzwischen habe ich den Verwaltungslehrgang I absolviert und bin in Vollzeit beschäftigt, weil ich die vielen Möglichkeiten des flexiblen und mobilen Arbeitens nutzen konnte. Das haben mir meine Zusatzqualifikationen ermöglicht“. So werden sukzessive neue Wege der persönlichen und beruflichen Entwicklung eröffnet.

Kein Stillstand

„Wie viele Mitarbeitende profitieren von den familienfreundlichen Maßnahmen?“ fragen wir. Alle. Nicht nur Eltern haben Familie. Auch die Pflege und Versorgung von Angehörigen gehört dazu. „Die Stadt hat eine Kultur geschaffen, in der wir uns unterstützt und gesehen fühlen“, resümiert Juliane Stefani. Das Zertifikat bedeutet keineswegs Stillstand. „Ein Meilenstein ist erreicht, jetzt muss man sich allerdings weiterentwickeln“, betont Ihnatiy Jablonowski. Eine Re-Zertifizierung steht an, und die Stadt hat klare Pläne zur Weiterentwicklung: Vor allem die Kommunikation soll ausgebaut werden, damit alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jederzeit optimal informiert sind.

,,Auch mir persönlich ist es ein großes Anliegen, dass unsere Mitarbeitenden zufrieden sind, sie gern zur Arbeit gehen und uns als familienfreundlichen Arbeitgeber wahrnehmen. Daher haben wir zahlreiche Maßnahmen und Strategien entwickelt und umgesetzt, um den Wünschen und Bedürfnissen entgegen zu kommen. Beispielhaft sind die Angebote unseres betrieblichen Gesundheitsmanagements sowie gemeinsame, teambildende Veranstaltungen und Ausflüge. Darüber hinaus ist es mir wichtig, dass es bei Problemen auch immer ein offenes Ohr gibt.

Christoph Tesche,
Bürgermeister der Stadt Recklinghausen

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